Wann hast du zuletzt gewusst, was du diesen Monat wirklich verdient hast?
Nicht was auf dem Konto war. Nicht was überwiesen wurde. Was du verdient hast. Nach Steuern, nach Ausgaben, nach allem, was das Business kostet, um zu laufen.
Wenn du auf diese Frage zögern musst, liegt das fast immer an derselben Ursache: Gewinnplanung ist kein fester Bestandteil deines Business. Du weißt, was reinkommt. Du weißt irgendwie, was rausgeht. Was übrig bleibt, ist das, was dein Business für dich getan hat.
Das Problem ist die Reihenfolge.
Der Unterschied zwischen Gewinnermittlung und Gewinnplanung
Das ist eine Unterscheidung, die kaum jemand macht, obwohl sie alles ändert.
Gewinnermittlung schaut zurück. Sie sagt dir, was dein Business in einem bestimmten Zeitraum erwirtschaftet hat. Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung, die du jedes Jahr für das Finanzamt erstellst, ist Gewinnermittlung. Sie ist notwendig, sie ist gesetzlich vorgeschrieben, und sie zeigt dir die Wahrheit über das vergangene Jahr.
Gewinnplanung schaut nach vorne. Sie sagt dir, was dein Business erwirtschaften soll. Sie beginnt mit einer Zahl, die du willst, und rechnet von dort aus rückwärts. Welchen Umsatz brauchst du dafür? Welche Ausgaben musst du tragen? Welchen Preis musst du setzen?
Die meisten Einzelunternehmer machen Gewinnermittlung und halten das für Gewinnplanung. Sie ermitteln im Februar, was das vergangene Jahr gebracht hat, und behandeln das Ergebnis als Information über ihr Business. Das ist es auch. Aber es ist Information über die Vergangenheit, nicht über die Zukunft.
Gewinnplanung ist der aktive, vorausschauende Teil. Er entscheidet, wohin das Business geht, noch bevor das erste Angebot geschrieben ist. Und genau das ist der fundamentale Unterschied zwischen einem Business, das von Monat zu Monat lebt, und einem, das sich entwickelt.
Ich habe jahrelang nur Gewinnermittlung gemacht. Das Finanzamt bekam seine Zahlen, ich wusste, was das Jahr gebracht hatte, und dann fing das nächste Jahr an wie das letzte. Kein Zielbetrag, keine Planung, kein aktiver Steuerungsversuch.
Das Ergebnis war entsprechend. Nicht schlecht, aber nie wirklich gut. Irgendwie. Dieses Wort, das alles und nichts sagt.
Warum Gewinnplanung für Einzelunternehmer fundamental anders ist
Große Unternehmen haben Controlling-Abteilungen. Steuerberater, Analysten, Quartalsberichte. Gewinnplanung ist dort ein institutioneller Prozess mit definierten Verantwortlichkeiten.
Als Einzelunternehmer bist du das Controlling. Du bist die Analyse. Du bist die Verantwortlichkeit.
Das klingt nach einer Bürde. Es ist eine Freiheit. Weil du sofort handeln kannst, wenn du weißt, dass etwas nicht stimmt. Weil keine Hierarchie zwischen dir und der Entscheidung steht.
Gleichzeitig bedeutet das, dass Gewinnplanung bei Einzelunternehmern anders aufgebaut sein muss als in größeren Strukturen. Sie muss schnell sein. Sie muss einfach sein. Sie muss funktionieren, auch wenn du keine betriebswirtschaftliche Ausbildung hast und kein Buchhalter bist.
Was für große Unternehmen ein Quartalsreport ist, ist für dich dreißig Minuten im Monat an der Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Was für sie eine strategische Jahresplanung ist, sind für dich drei Zahlen auf einem Blatt Papier: Was willst du verdienen? Was kostet das Business? Was muss also reinkommen?
Die Vereinfachung macht es nicht weniger wirksam. Sie macht es verwendbar. Und ein System, das du verwendest, ist immer besser als ein perfektes System, das du ignorierst.
Das Profit-First-Prinzip: Die Logik dahinter
Es gibt ein Konzept, das ich hier nicht erfunden habe, das aber so gut beschreibt, was Gewinnplanung im Kern bedeutet, dass es einen eigenen Abschnitt verdient.
Mike Michalowicz hat es in seinem Buch „Profit First“ beschrieben und damit eine Idee populär gemacht, die eigentlich simpel ist: Zahle dir zuerst. Nicht zuletzt.
Die klassische Formel lautet: Umsatz minus Ausgaben gleich Gewinn. Das Ergebnis ist das, was übrig bleibt. Der Gewinn ist das Letzte, was berechnet wird. In diesem System ist Gewinn immer das, was der Markt dir übrig gelassen hat, nachdem alles andere bezahlt ist.
Profit First dreht das um: Umsatz minus Gewinn gleich Ausgaben. Du nimmst den Gewinn zuerst heraus. Was dann noch übrig ist, ist das Budget für die Ausgaben. Du arbeitest mit dem, was du nach dem Gewinn noch hast, statt zu hoffen, dass nach den Ausgaben noch etwas übrig bleibt.
Das klingt nach einer mathematischen Trivialität. In der Praxis ist es ein psychologischer Schalter. Wer den Gewinn als erste Entnahme behandelt, diszipliniert sich automatisch bei den Ausgaben. Weil das Budget für das Business kleiner ist als der Umsatz, werden überflüssige Ausgaben sichtbar und weggelassen. Wer dagegen wartet, was nach den Ausgaben übrig bleibt, neigt dazu, die Ausgaben bis an das Mögliche zu dehnen.
Das Prinzip ist die Grundlage jeder sinnvollen Gewinnplanung für Einzelunternehmer. Du bestimmst zuerst, was du willst. Dann baust du das Business so, dass es das liefert.
Gewinnplanung in der Praxis: Die fünf Töpfe
Der praktische Ansatz, der auf dem Profit-First-Prinzip aufbaut und sich für Einzelunternehmer bewährt hat, arbeitet mit getrennten Konten für unterschiedliche Zwecke.
Das Konzept ist einfach: Jeder Euro, der reinkommt, wird sofort auf verschiedene Konten aufgeteilt. Nicht irgendwann. Sofort oder in einem festen wöchentlichen Rhythmus.
Der erste Topf ist das Einnahmekonto. Hier landet alles, was bezahlt wird. Von hier aus wird verteilt. Dieses Konto ist kein Ausgabenkonto, es ist eine Verteilstation.
Der zweite Topf ist das Gewinnkonto. Ein fester Prozentsatz jeder Einnahme geht sofort hierhin. Dieser Prozentsatz ist kein Ziel, er ist eine Vorabentnahme. Er wird am Ende eines Quartals oder Jahres an dich ausgeschüttet. Das ist dein Unternehmerlohn für das, was das Business trägt, nicht für deine geleisteten Stunden.
Der dritte Topf ist das Steuerkonto. Ein fester Prozentsatz für Einkommensteuer und Umsatzsteuer. Dieser Topf wird nie für anderes verwendet. Er gehört dem Finanzamt, auch wenn es das noch nicht weiß.
Der vierte Topf ist das Betriebsausgabenkonto. Von hier werden alle laufenden Ausgaben des Business bezahlt. Werkzeug, Software, Versicherungen, Fahrtkosten, alles, was das Business kostet. Dieser Topf hat ein Budget: Er besteht aus dem, was nach Gewinn und Steuern noch übrig ist.
Der fünfte Topf ist das Privatentnahmekonto. Dein monatliches Gehalt an dich selbst. Die feste Summe, die du brauchst, um zu leben. Dieser Betrag geht jeden Monat in deine private Sphäre, unabhängig davon, ob ein Monat stark oder schwach war.
Die Trennung dieser fünf Bereiche macht Gewinnplanung greifbar. Du siehst auf einen Blick, wo das Geld ist und wofür es gedacht ist. Keine Überraschung vom Finanzamt, weil das Steuerkonto immer gefüllt ist. Kein Monat ohne Privatentnahme, weil das Gehalt eine feste Größe ist.
Die einfachste Buchhaltung der Welt ist so gebaut, dass diese Struktur darin abgebildet werden kann. Monatliche EÜR, Steuerrücklage sichtbar, Gewinn auf einen Blick. Das System arbeitet für dich, nicht gegen dich.
Was dein Zielbetrag wirklich sein muss
Gewinnplanung beginnt mit einer ehrlichen Frage: Was brauchst du wirklich?
Nicht was du dir wünschst. Was du brauchst. Diese Unterscheidung ist entscheidend, weil Gewinnplanung keine Fantasieübung ist, sondern eine Kalkulation, die dein Leben trägt.
Der Zielbetrag setzt sich aus vier Komponenten zusammen, die alle gleichzeitig bedient werden müssen.
Die erste Komponente ist dein privater Lebensunterhalt. Miete, Lebensmittel, Krankenversicherung, Kfz, Familie, Freizeit. Alles, was dein Leben monatlich kostet. Diese Zahl kennen die wenigsten genau. Sie wissen irgendwie, was sie ausgeben. Aber irgendwie ist kein Plan. Wer seinen privaten Lebensunterhalt nicht kennt, kann keinen Gewinn planen.
Die zweite Komponente ist die Altersvorsorge. Als Einzelunternehmer hast du keine betriebliche Rente, keine Arbeitgeberbeiträge, keine gesetzliche Rentenversicherung, die das für dich übernimmt, außer du zahlst aktiv ein. Dieser Betrag fehlt in den meisten Gewinnplanungen, weil er sich weit weg anfühlt. Er ist es nicht.
Die dritte Komponente ist der Unternehmerpuffer. Drei bis sechs Monatsausgaben als Reserve für schwache Monate, für Investitionen, für Ausfälle. Wer diesen Puffer hat, entscheidet aus Stärke. Wer ihn nicht hat, entscheidet aus Angst.
Die vierte Komponente ist der Investitionsbedarf. Was braucht das Business in den nächsten zwölf Monaten? Werkzeug, Fortbildung, Software, Marketingmaßnahmen. Diese Investitionen müssen aus dem Gewinn finanziert werden, nicht aus dem laufenden Umsatz.
Wer diese vier Komponenten addiert, hat seinen Mindestjahresgewinn. Das ist die Zahl, unterhalb derer die Selbstständigkeit dich nicht wirklich trägt. Sie finanziell klar zu benennen ist der erste Schritt jeder ehrlichen Gewinnplanung.
In meinem wöchentlichen DeepTalkLetter schreibe ich darüber, wie sich dieses Denken in meinem eigenen Alltag entwickelt hat. Weil die Klarheit über den eigenen Zielbetrag alles andere verändert, von den Preisen bis zur Auswahl der Auftraggeber.
Wie du deinen Jahresgewinn konkret planst
Von dem Mindestjahresgewinn rechnest du jetzt vorwärts. Das ist der Kern der Gewinnplanung.
Der erste Schritt ist die Analyse der Kostenstruktur. Was kostet das Business monatlich, unabhängig davon, ob Aufträge kommen oder nicht? Versicherungen, Miete, Software-Abos, Fahrzeugkosten, Steuerberater, alle fixen Kosten. Diese Zahl kennen erstaunlich wenige Einzelunternehmer genau. Sie wissen, was sie monatlich ausgeben, aber nicht, was davon fix und was variabel ist. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil fixe Kosten auch in schwachen Monaten laufen.
Der zweite Schritt ist die Berechnung des notwendigen Brutto-Gewinns. Dein Mindest-Nettogewinn nach Steuern plus die Einkommensteuer, die darauf anfällt. Als grober Richtwert: Wer zweitausend Euro netto im Monat braucht, also vierundzwanzigtausend Euro im Jahr, braucht als Einzelunternehmer je nach Steuerbelastung oft zwischen dreißig und fünfunddreißigtausend Euro Jahresgewinn brutto. Die genaue Zahl hängt von der Gesamtsituation ab. Ein kurzes Gespräch mit dem Steuerberater klärt das für deinen konkreten Fall.
Der dritte Schritt ist die Berechnung des notwendigen Umsatzes. Brutto-Gewinn plus alle Betriebsausgaben des Jahres gleich notwendiger Jahresumsatz. Das ist die Zahl, die du im laufenden Jahr erreichen musst, damit Gewinnplanung aufgeht.
Der vierte Schritt ist die Plausibilitätsprüfung. Ist dieser Umsatz mit deiner aktuellen Kapazität und deinem aktuellen Preis erreichbar? Wenn nein, hast du zwei Hebel. Entweder senkst du die Ausgaben oder du erhöhst den Preis. In den meisten Fällen ist der zweite Hebel der wirksamere.
Das ist Gewinnplanung in vier Schritten. Sie erfordert keine spezielle Software, keinen Berater, keine komplizierte Methodik. Sie erfordert Ehrlichkeit über die eigene Lebenssituation und dreißig Minuten konzentriertes Rechnen.
Der Deckungsbeitrag: Die Zahl, die dein Business wirklich zeigt
Umsatz ist sichtbar. Gewinn ist das Ziel. Aber die Zahl dazwischen, der Deckungsbeitrag, ist die ehrlichste Aussage darüber, wie dein Business wirklich funktioniert.
Der Deckungsbeitrag ist die Differenz zwischen deinem Umsatz und den direkt einem Auftrag zurechenbaren variablen Kosten. Was bleibt, nachdem das Material bezahlt ist, der Subunternehmer, die direkte Fahrtzeit, alles, was nur anfällt, weil dieser Auftrag existiert. Dieser Betrag muss dann alle Fixkosten des Business decken und danach noch den Gewinn erzeugen.
Für viele Einzelunternehmer im Handwerk klingt das abstrakt. In der Praxis ist es die Frage: Was bleibt von diesem Auftrag, wenn ich alles abziehe, was er mich direkt gekostet hat?
Ein Auftrag mit einem Volumen von zehntausend Euro klingt gut. Wenn darin fünftausend Euro Material stecken, zwölfhundert Euro Subunternehmer und achthundert Euro Fahrtkosten, dann bleiben zweitausendachthundert Euro Deckungsbeitrag. Von diesem Betrag müssen alle Fixkosten anteilig finanziert werden, Versicherungen, Software, Steuerberater, und danach erst entsteht Gewinn.
Wer nur auf den Umsatz schaut, sieht die zehntausend Euro und denkt, das war ein guter Auftrag. Wer den Deckungsbeitrag kennt, sieht die zweitausendachthundert Euro und entscheidet, ob das wirklich gut war.
Das ist der Unterschied zwischen Umsatzdenken und Gewinnplanung. Umsatz sagt dir, was reinkommt. Deckungsbeitrag sagt dir, was bleibt, bevor die Fixkosten anfangen. Gewinn sagt dir, was nach allem übrig ist.
Gewinnplanung braucht alle drei Zahlen. Wer nur eine davon kennt, hat keinen vollständigen Blick auf sein Business.
Für die Gewinnplanung bedeutet das konkret: Du musst wissen, welchen Deckungsbeitrag dein Business monatlich braucht, um alle Fixkosten zu decken und den geplanten Gewinn zu erzielen. Das ist der Break-even-Punkt deiner Gewinnplanung. Alles unterhalb davon ist Verlust, alles darüber ist Gewinn.
Diese Zahl zu kennen, verändert, wie du Aufträge bewertest. Ein kleiner Auftrag mit hohem Deckungsbeitrag ist besser als ein großer Auftrag mit niedrigem. Wer das versteht, optimiert anders als wer nur auf den Umsatz schaut.
Gewinnplanung und Stundenlohn: Der direkte Zusammenhang
Gewinnplanung ohne Stundenlohn-Kalkulation ist unvollständig. Beide hängen direkt zusammen, und wer einen setzt, ohne den anderen zu kennen, riskiert, dass die Rechnung nicht aufgeht.
Der Stundenlohn, den du berechnest und in Rechnung stellst, ist das stärkste Steuerungselement deiner Gewinnplanung. Wenn dieser Satz zu niedrig ist, musst du entweder mehr Stunden arbeiten oder du erreichst deinen Gewinnplan nicht. Wenn er zu hoch ist für das, was der Markt akzeptiert, bekommst du zu wenig Aufträge. Die richtige Höhe ist die, die deinen Gewinnplan mit einer realistischen Stundenzahl trägt.
Die Berechnung beginnt mit dem notwendigen Jahresumsatz, den du im vorigen Abschnitt bestimmt hast. Diesen Umsatz teilst du durch die Anzahl der Stunden, die du pro Jahr fakturieren kannst. Nicht die Stunden, die du arbeitest. Die, die du deinen Auftraggebern in Rechnung stellst.
Hier liegt einer der häufigsten Denkfehler in der Gewinnplanung: Viele Einzelunternehmer rechnen mit achtzig oder sogar hundert Prozent fakturierbaren Stunden. Die Realität sieht anders aus. Urlaub, Krankheit, Feiertage, Verwaltung, Akquise, Buchhaltung, Weiterbildung, alles das sind Stunden, die du arbeitest und nicht in Rechnung stellst. Realistisch sind in vielen Branchen fünfzig bis sechzig Prozent der Arbeitszeit fakturierbar. Wer mit achtzig Prozent rechnet und sechzig Prozent erreicht, verfehlt seinen Gewinnplan um dreißig Prozent.
Das bedeutet konkret: Wenn du sechzigtausend Euro Jahresumsatz brauchst und zwölfhundert Stunden fakturierbar sind, musst du fünfzig Euro pro Stunde nehmen. Wenn du aber realistischerweise nur achthundert fakturierbare Stunden hast, brauchst du fünfundsiebzig Euro. Der Unterschied zwischen beiden Szenarien entscheidet darüber, ob deine Gewinnplanung aufgeht oder nicht.
Ich habe diesen Fehler lange gemacht. Ich habe meinen Stundenlohn so gesetzt, dass er sich gut anfühlte, und dann gearbeitet, bis die Zahlen irgendwie aufgingen. Nach der Insolvenz habe ich die Rechnung andersherum gemacht. Ich habe meinen Gewinnplan aufgestellt, meine realen fakturierbaren Stunden ehrlich berechnet und dann den Stundenlohn als Resultat dieser Rechnung gesetzt. Das Ergebnis lag deutlich über dem, was ich vorher genommen hatte. Und es hat sich gehalten, weil es kein Bauchgefühl war, sondern eine Zahl aus einem Plan.
Warum Gewinnplanung auch eine Positionierungsentscheidung ist
Hier ist eine Verbindung, die selten hergestellt wird, obwohl sie logisch unmittelbar ist.
Gewinnplanung sagt dir, welchen Preis du brauchst. Positionierung sagt dir, welchen Preis du bekommst. Wenn beide Zahlen auseinanderklaffen, hast du entweder ein Positionierungsproblem oder einen unrealistischen Gewinnplan.
Wer durch Gewinnplanung feststellt, dass er siebzig Euro pro Stunde braucht, um seinen Gewinnplan zu erfüllen, aber in einem Markt arbeitet, in dem der Durchschnitt bei vierzig Euro liegt, steht vor einer Entscheidung. Er kann mehr Stunden arbeiten und den Gewinnplan nach unten korrigieren. Er kann seine Ausgaben senken. Oder er kann seine Positionierung so verändern, dass siebzig Euro nicht der höchste Preis im Markt sind, sondern der gerechtfertigte Preis für ein klar definiertes Angebot.
Ich habe nach der Insolvenz meine Positionierung verändert, weil meine Gewinnplanung gezeigt hat, dass der alte Preis das Business nicht trägt. Ich habe nicht zuerst über Positionierung nachgedacht und dann gehofft, dass der Gewinn passt. Ich habe durch Gewinnplanung verstanden, welchen Preis ich brauche, und dann die Positionierung so aufgebaut, dass dieser Preis am Markt trägt.
Das ist die umgekehrte Richtung, in der die meisten denken. Viele entwickeln zuerst ein Angebot, setzen dann einen Preis und hoffen, dass das am Ende Gewinn ergibt. Gewinnplanung beginnt mit dem Gewinn und baut alles andere darauf auf. Das ist keine akademische Unterscheidung. Es ist der fundamentale Unterschied zwischen einem Business, das gestaltet wird, und einem, das passiert.
Gewinnplanung im Monatsrhythmus
Jahresplanung ohne Monatssteuerung ist wie eine Landkarte ohne Kompass. Du weißt, wohin du willst, aber du weißt nicht, ob du noch auf dem richtigen Weg bist.
Die Gewinnplanung für das Jahr gibt dir die Zielgröße. Der Monatsrhythmus zeigt dir monatlich, ob du auf Kurs liegst.
Das bedeutet in der Praxis: Einmal im Monat, dreißig Minuten, öffnest du deine Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Du trägst alle Einnahmen und Ausgaben des Monats ein. Du siehst deinen Gewinn für diesen Monat. Du vergleichst ihn mit dem Planwert, also dem Gewinn, den du für diesen Monat eingeplant hattest, um das Jahresziel zu erreichen.
Liegt der Ist-Gewinn über dem Plan, läuft das Business gut. Du kannst die Rücklage aufstocken oder eine Investition vorziehen. Liegt er darunter, siehst du sofort, wo du nachsteuern musst, beim nächsten Monat stärker, bei den Ausgaben, beim Preis.
Diese monatliche Rückkopplung ist der Kern der Gewinnsteuerung. Ohne sie planst du einmal und hoffst den Rest des Jahres. Mit ihr steuerst du aktiv, monatlich, mit konkreten Zahlen.
Der Aufwand ist minimal. Dreißig Minuten im Monat. Wer das zwölf Mal macht, hat am Jahresende keine Überraschungen. Er weiß, was kommt, weil er jeden Monat hingeschaut hat.
Die einfachste Buchhaltung der Welt macht genau das möglich. Eine Google-Tabelle, ein Add-On für die EÜR, eine klare Struktur. Du trägst ein, das System rechnet, du siehst deinen Gewinn. Monatlich. Ohne großen Aufwand. Mit dem Ergebnis, dass du dein Business kennst.
Was sich verändert, wenn du weißt, was du verdienen willst
Es gibt einen Abend, an den ich mich genau erinnere.
Anfang Januar. Ich habe meine Steuererklärung für das vergangene Jahr eingereicht. Nicht im Chaos wie die Jahre davor, sondern ruhig, weil alle Zahlen das ganze Jahr über aktuell gewesen waren. Ich wusste, was kommen würde, weil ich es monatlich verfolgt hatte.
Der Bescheid kam ein paar Monate später. Die Nachzahlung war kleiner als in früheren Jahren, weil die Steuerrücklage gestimmt hatte. Das Konto hatte die Summe. Ich überwies. Fertig.
Das war der erste Jahresabschluss meines Lebens, der sich so angefühlt hat: erledigt. Ohne Drama. Ohne Kreditkarte, die ich zücken musste. Ohne das Gefühl, etwas nicht gesehen zu haben.
Das ist der Zustand, den Gewinnplanung erzeugt. Nicht Reichtum, nicht Freiheit von allem Aufwand. Klarheit. Das Wissen, was das Business tut und warum. Die Entscheidungen aus Zahlen statt aus Hoffnung.
Ich habe nach der Insolvenz angefangen, dieses System aufzubauen. Nicht sofort vollständig. Schrittweise. Zuerst die monatliche EÜR. Dann das Steuerkonto. Dann der bewusst gesetzte Stundenlohn. Dann die Jahresplanung.
Jeder Schritt hat etwas verändert. Die Preise wurden klarer, weil ich wusste, was ich brauchte. Die Auftraggeber wurden besser, weil der Preis gefiltert hat. Die Arbeit wurde ruhiger, weil das Geld aufgehört hatte, bedrohlich zu wirken.
Gewinnplanung ist kein Buchhaltungsthema. Sie ist eine Haltungsentscheidung. Die Entscheidung zu sagen: Mein Business arbeitet für mich, nicht ich für mein Business. Ich bestimme, was ich verdiene. Ich plane es. Ich steuere danach.
Diese Entscheidung klingt einfach. Sie setzt voraus, dass du hinschaust. Monatlich. Ehrlich. Mit den richtigen Zahlen.
Mein letzte Gedanke
Wann hast du zuletzt gewusst, was du diesen Monat wirklich verdient hast?
Wenn du jetzt weißt, was du noch vor dem Lesen dieses Artikels nicht wusstest, nämlich wo der Unterschied zwischen Gewinnermittlung und Gewinnplanung liegt, dann ist das der erste Schritt.
Der zweite Schritt ist eine einzige Zahl: Was willst du dieses Jahr verdienen? Netto, nach Steuern, nach allem. Schreib sie auf. Berechne, was das Business dafür braucht. Und baue von dort aus.
Das ist Gewinnplanung. Keine Software, kein Kurs, keine Hochglanzstrategie. Eine Zahl, rückwärts gerechnet bis zum Preis, monatlich überprüft, konsequent gesteuert.
Das Hamsterrad läuft, solange du für den Umsatz arbeitest. Es hört auf, sobald du für den Gewinn planst.
Wow, du hast bis hierhin gelesen. Ich habe noch einen Bonus für dich. Schau dir meinen Workshop “Souverän Selbstständig” an. Er wird dir gefallen.
Wenn du verstehen willst, warum so viele Selbstständige Umsatz machen und trotzdem nie wirklich vorankommen, lies diesen Artikel von Benita Königbauer.
Wichtige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Gewinnermittlung und Gewinnplanung?
Gewinnermittlung schaut zurück und sagt dir was dein Business in der Vergangenheit erwirtschaftet hat. Gewinnplanung schaut nach vorne und beginnt mit einer Zahl die du willst. Dann rechnet sie rückwärts: welchen Umsatz brauchst du, welche Ausgaben kannst du tragen, welchen Preis musst du setzen. Die meisten Einzelunternehmer machen nur Gewinnermittlung. Das ist der Unterschied zwischen einem Business das passiert und einem das gestaltet wird.
Wie berechne ich was ich als Einzelunternehmer wirklich verdienen muss?
Vier Komponenten addieren: privater Lebensunterhalt nach Steuern, Altersvorsorge die niemand sonst für dich zahlt, Unternehmerpuffer von drei bis sechs Monatsausgaben als Reserve, und Investitionsbedarf für die nächsten zwölf Monate. Die Summe ist dein Mindestjahresgewinn. Unterhalb dieser Zahl trägt die Selbstständigkeit dich nicht wirklich. Wer diese Zahl kennt entscheidet jeden Preis danach anders.
Ich mache guten Umsatz aber am Ende des Monats bleibt wenig übrig. Was läuft falsch?
Fast immer fehlt der Blick auf den Deckungsbeitrag. Ein Auftrag über zehntausend Euro klingt gut. Stecken darin fünftausend Euro Material und weitere Direktkosten bleiben vielleicht zweitausend Euro übrig bevor die Fixkosten anfangen. Wer nur auf den Umsatz schaut sieht nicht was ein Auftrag wirklich bringt. Gewinnplanung beginnt mit dieser Frage und nicht mit dem Umsatz.
Was bedeutet Profit First und lohnt sich das für einen Einzelunternehmer?
Profit First dreht die klassische Formel um. Statt Umsatz minus Ausgaben gleich Gewinn gilt: Umsatz minus Gewinn gleich Ausgaben. Du nimmst den Gewinn zuerst heraus. Was dann noch übrig ist wird für das Business verwendet. Das ist ein psychologischer Schalter. Wer den Gewinn als erste Entnahme behandelt diszipliniert sich automatisch bei den Ausgaben. Auf onoko.me ist dieses Prinzip direkt in die einfachste Buchhaltung der Welt eingebaut.
Wie viele Stunden kann ich als Einzelunternehmer realistisch in Rechnung stellen?
Deutlich weniger als du arbeitest. Urlaub, Krankheit, Verwaltung, Akquise und Buchhaltung sind Stunden die du arbeitest aber nicht fakturierst. Realistisch sind in vielen Branchen fünfzig bis sechzig Prozent der Arbeitszeit fakturierbar. Wer mit achtzig Prozent rechnet und sechzig erreicht verfehlt seinen Gewinnplan um dreißig Prozent. Diese Zahl ehrlich einzusetzen ist der wichtigste Schritt bei der Stundensatz-Kalkulation.
Wie fange ich heute mit Gewinnplanung an ohne ein kompliziertes System aufzubauen?
Eine Zahl aufschreiben: Was willst du dieses Jahr netto verdienen. Dann rückwärts rechnen. Fixkosten des Business addieren, realistische fakturierbare Stunden berechnen, Stundensatz als Ergebnis dieser Rechnung setzen. Einmal im Monat dreißig Minuten die EÜR aktualisieren und Ist-Gewinn mit Planwert vergleichen. Auf onoko.me gibt es dafür ein fertiges Setup. Keine Software, keine Vorkenntnisse, eine Zahl und Konsequenz.
