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von | März 25, 2026 | Wertigkeit im Unternehmen

Du weißt es schon eine Weile.

Der Preis stimmt nicht mehr. Vielleicht hat er nie wirklich gestimmt. Vielleicht hat er mal gestimmt, aber das war vor zwei Jahren, vor der letzten Runde Materialkosten, vor dem Moment, in dem du gemerkt hast, dass am Monatsende zu wenig übrig bleibt für das, was du gibst.

Du hast darüber nachgedacht. Ein paar Mal. Du hast dir vorgestellt, wie du deinen neuen Preis nennst. Wie der Auftraggeber reagiert. Ob er bleibt. Ob er geht.

Und dann hast du gewartet. Auf den richtigen Moment. Auf einen ruhigeren Monat. Auf irgendetwas, das die Entscheidung leichter macht.

Der richtige Moment kommt nicht. Er ist eine Erfindung, die verhindert, dass du handelst.

Warum der richtige Moment eine Falle ist

Der richtige Moment ist eine Geschichte, die du dir erzählst, um eine unbequeme Entscheidung aufzuschieben.

Er klingt vernünftig. Jetzt ist es noch nicht der richtige Zeitpunkt, weil der Auftraggeber gerade ein großes Projekt laufen hat. Weil der Markt gerade schwierig ist. Weil du noch nicht genug Referenzen hast. Weil du erst noch besser werden musst.

Diese Gründe sind nicht komplett falsch. Manchmal stimmt ein Teil davon. Aber sie sind nie vollständig wahr. Weil es immer einen Grund gibt zu warten, wenn du warten willst.

Wer auf den richtigen Moment wartet, zahlt jeden Monat einen Preis. Den Preis seiner eigenen Unterbewertung. Jeder Monat mit zu niedrigem Preis ist ein Monat, in dem du zu viel gegeben und zu wenig bekommen hast. Dieser Preis ist real, auch wenn er unsichtbar ist.

Dazu kommt: Je länger du wartest, desto schwerer fühlt sich die Erhöhung an. Der alte Preis wird zur Gewohnheit, für dich und für deine Auftraggeber. Eine Erhöhung nach Jahren wirkt größer als eine nach Monaten. Wer regelmäßig kleine Schritte macht, kommt leichter dorthin als wer jahrelang wartet und dann einen großen Sprung machen muss.

Der richtige Moment für Preise erhöhen ist heute. Wenn du weißt, dass dein Preis zu niedrig ist. Weil morgen wirst du es auch wissen, und übermorgen auch. Das Wissen wird nicht verschwinden. Es wird nur teurer.

Was wirklich hinter dem Zögern steckt

Das Zögern beim Preise erhöhen hat wenig mit dem Preis selbst zu tun. Es hat mit Psychologie zu tun.

Verhaltensforscher haben das Phänomen gut dokumentiert. Loss Aversion beschreibt, dass die Angst vor einem Verlust etwa doppelt so stark ist wie die Freude über einen gleich großen Gewinn. Eine abgelehnte Anfrage, ein Auftraggeber der geht, ein Gespräch das unangenehm werden könnte, das fühlt sich wie Verlust an, auch wenn es in Wirklichkeit eine Weichenstellung in die richtige Richtung ist.

Dazu kommt ein zweites Muster: das Scarcity Mindset. Das Denkmuster, das sagt, wenn ich mehr verlange, kommt vielleicht nichts mehr. Das Konto kennt keine Prinzipien. Der nächste Monat ist ungewiss.

Dieses Denkmuster ist in vielen Phasen einer Selbstständigkeit verständlich. Und es ist in vielen Phasen auch real. Wer keine Rücklagen hat, wer den nächsten Monat nicht kennt, wer keine finanzielle Klarheit hat, der kann keine Preiserhöhung durchsetzen ohne Panik. Die Angst vor dem Verlust ist zu groß, weil das Business tatsächlich keinen Puffer hat.

Das ist der direkte Zusammenhang zwischen Buchhaltung und Preissouveränität.

Wer seinen monatlichen Gewinn kennt, wer Rücklagen hat, wer weiß, wie lange er eine ruhige Phase überbrücken kann, der kann Preise erhöhen aus einer anderen Haltung heraus. Aus Klarheit. Aus der Kenntnis dessen, was sein Business braucht. Nicht aus Hoffnung, dass der Auftraggeber bleibt.

Die einfachste Buchhaltung der Welt gibt dir diese Grundlage. Dreißig Minuten im Monat, vollständige Einnahmen-Überschuss-Rechnung, Gewinn auf einen Blick. Das ist das Fundament, auf dem Preissouveränität wächst.

Wer dagegen von Monat zu Monat lebt, ohne Überblick, ohne Rücklagen, ohne Zahlen die er kennt, der ist gefangen. Er nimmt jeden Auftrag, jeden Preis, jede Bedingung. Weil er sich den Luxus der Ablehnung nicht leisten kann.

Das erste Werkzeug für Preise erhöhen ist also keine Rhetorik-Übung und keine Verhandlungsstrategie. Es ist finanzielle Klarheit.

Was eine Preiserhöhung wirklich bedeutet

Eine Preiserhöhung ist eine Aussage. Sie sagt: Meine Arbeit ist wertvoller als ich bisher kommuniziert habe.

Das ist keine Übertreibung. Es ist Korrektur.

Wer seinen Preis zu lange zu niedrig gehalten hat, hat seinen Auftraggebern gegenüber eine falsche Aussage über seinen eigenen Wert getroffen. Nicht absichtlich. Aber konsequent. Jeder Monat mit zu niedrigem Preis hat diese Aussage wiederholt.

Eine Preiserhöhung korrigiert das. Sie setzt den Preis auf ein Niveau, das der Qualität der Arbeit und den Anforderungen des Business entspricht.

Auftraggeber, die gute Arbeit schätzen, verstehen das. Sie haben selbst Erfahrung damit, dass Preise sich anpassen. Sie kaufen Produkte, die teurer werden. Sie zahlen Dienstleistungen, die sich mit der Zeit entwickeln. Eine professionelle Preisanpassung von einem Anbieter, dem sie vertrauen, ist für diese Menschen kein Drama.

Auftraggeber, die ausschließlich nach dem günstigsten Preis suchen, werden bei einer Erhöhung gehen. Das ist kein Verlust. Das ist der Filter, der in die richtige Richtung arbeitet.

Wer das versteht, tritt anders in das Gespräch. Wer weiß, dass Preise erhöhen Selektion bedeutet und keine Katastrophe, der kommuniziert es anders. Ruhiger. Klarer. Ohne das schlechte Gewissen, das viele in solche Gespräche tragen.

Eine Erkenntnis aus meiner eigenen Geschichte: Als ich nach meiner Insolvenz den Preis neu berechnet und neu gesetzt habe, habe ich erwartet, dass ein Teil der Auftraggeber geht. Einige sind gegangen. Und was übrig blieb, war ein Kundenstamm, der deutlich besser passte. Weniger Verhandlung, mehr Vertrauen, mehr Gewinn. Preise erhöhen hat das Business nicht gefährdet. Es hat es definiert.

Wie du deinen neuen Preis richtig berechnest

Preise erhöhen ohne Grundlage ist Bauchgefühl. Preise erhöhen mit Grundlage ist Unternehmensführung.

Die Grundlage ist eine klare Kalkulation. Sie beantwortet eine Frage: Was muss mein Preis sein, damit mein Business trägt?

Das ist eine andere Frage als: Was zahlen andere? Oder: Was würde der Markt akzeptieren? Diese Fragen sind relevant, aber sie kommen danach. Zuerst kommt die interne Logik.

Schritt eins: Was brauchst du netto im Monat?

Miete, Krankenversicherung, Lebensmittel, Familie, Altersvorsorge, Freizeit. Alles, was dein Leben kostet, nachdem Steuern gezahlt sind. Das ist dein Privatbedarf. Das ist die Zahl, die dein Business nach Steuern liefern muss.

Schritt zwei: Was kosten Steuern?

Als grober Richtwert gelten fünfundzwanzig bis dreißig Prozent des Nettogewinns für Einkommensteuer. Dazu kommt die Umsatzsteuer, die kein eigenes Geld ist. Diese Zahlen müssen im Preis enthalten sein.

Schritt drei: Was kosten die Betriebsausgaben?

Werkzeug, Versicherungen, Software, Fahrtkosten, Fortbildung, alle fixen und variablen Betriebskosten pro Monat. Diese Zahl überrascht viele, wenn sie sie zum ersten Mal ehrlich zusammenrechnen.

Schritt vier: Wie viele Stunden bist du fakturierbar?

Nicht wie viele Stunden du arbeitest. Wie viele davon stellst du dem Auftraggeber in Rechnung? Verwaltung, Akquise, Buchhaltung, Fahrtzeiten, alles, was nicht abrechenbar ist. Bei vielen Einzelunternehmern sind fünfzehn bis zwanzig Prozent der Arbeitszeit nicht fakturierbar.

Schritt fünf: Gewinnaufschlag.

Was willst du über das Notwendige hinaus aufbauen? Rücklagen, Investitionen, das, was das Business langfristig entwickelt.

Privatbedarf plus Steuern plus Betriebsausgaben plus Gewinnaufschlag, geteilt durch fakturierbare Stunden: Das ist dein Mindeststundensatz.

Wenn diese Zahl über deinem aktuellen Preis liegt, weißt du, warum Preise erhöhen kein Wunsch ist. Es ist eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.

Ich habe diese Rechnung nach meiner Insolvenz zum ersten Mal wirklich durchgeführt. Das Ergebnis war ernüchternd und befreiend gleichzeitig. Ernüchternd, weil ich sah, wie weit mein Preis von dem entfernt war, was ich gebraucht hätte. Befreiend, weil ich plötzlich eine sachliche Grundlage hatte, die kein Gespräch entkräften konnte.

Wann ist der beste Zeitpunkt, die Preise zu erhöhen?

Die kurze Antwort: heute. Die ausführliche Antwort hat ein paar Nuancen.

Im Allgemeinen gilt: Preise erhöhen mitten in einem laufenden Projekt ist problematisch. Der Auftraggeber hat mit dem alten Preis kalkuliert. Das ist sein gutes Recht. Eine Erhöhung während eines laufenden Projekts ist unprofessionell und erzeugt berechtigten Unmut.

Der richtige Zeitpunkt ist vor dem nächsten Auftrag. Vor dem nächsten Angebot. Vor der nächsten Beauftragung. Da gehört der neue Preis hin.

Für Auftraggeber, mit denen du regelmäßig arbeitest, empfiehlt sich eine Vorlaufzeit von vier bis sechs Wochen. Das gibt ihnen Zeit, ihre Planung anzupassen. Es wirkt professionell und respektvoll.

Viele Selbstständige nutzen den Jahreswechsel für Preisanpassungen. Das hat einen Vorteil: Es klingt nach einer normalen, geplanten Anpassung, die keine besondere Erklärung braucht. Ein Nachteil ist, dass alle anderen es auch so machen und der Effekt sich abschwächt.

Ein anderer guter Zeitpunkt ist nach einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt. Du hast gerade gezeigt, was du kannst. Der Auftraggeber ist zufrieden. Das ist der Moment, in dem dein Wert konkret sichtbar ist. Dann den neuen Preis für das nächste Projekt zu nennen fühlt sich für beide Seiten logisch an.

Was du vermeidest: die Erhöhung in der Rechnung zu verstecken, ohne vorherige Kommunikation. Oder sie in einem Gespräch zu nennen, das zufällig entsteht, ohne dass du vorbereitet bist. Preise erhöhen ist eine bewusste Entscheidung, die bewusst kommuniziert wird.

Wie du bestehenden Auftraggebern deinen neuen Preis kommunizierst

Hier machen die meisten den Fehler.

Sie übererklären. Sie entschuldigen sich. Sie führen die Kostensteigerungen der letzten Jahre auf. Sie rechtfertigen sich mit Inflation, mit gestiegenen Materialpreisen, mit allem, was von außen kommt.

Das ist die falsche Richtung.

Wer seinen Preis mit externen Faktoren erklärt, sagt implizit: Ich hätte den Preis gerne gelassen, aber ich musste leider. Das ist eine schwache Position. Sie lädt den Auftraggeber ein, über die Faktoren zu diskutieren. Er hat auch eine Meinung zur Inflation. Er hat auch Kosten, die gestiegen sind.

Die starke Position ist eine andere.

Mein Preis liegt ab dem nächsten Auftrag bei X. Ich freue mich, wenn wir weiterarbeiten.

Das ist alles. Kein Mehr.

Die Kommunikation kann schriftlich erfolgen, per E-Mail, kurz, klar, freundlich. Oder im persönlichen Gespräch, wenn die Beziehung das trägt. In beiden Fällen gilt: kurz, sachlich, ohne Rechtfertigung.

Wenn der Auftraggeber fragt warum: Weil mein Preis meinen aktuellen Standard widerspiegelt. Das ist die vollständige Antwort. Alles darüber hinaus öffnet eine Diskussion, die du nicht führen willst.

In meinem wöchentlichen DeepTalkLetter schreibe ich über die konkreten Gespräche, die ich geführt habe, als ich meinen eigenen Preis erhöht habe. Was dabei gut lief, was unangenehm war, und was ich im Rückblick anders machen würde. 

Die häufigsten Fehler bei der Preiskommunikation

Preise erhöhen scheitert selten am Preis selbst. Es scheitert an der Kommunikation. Hier sind die Muster, die ich immer wieder beobachte.

Fehler eins: Die Entschuldigung vor dem Preis.

Du nennst die Erhöhung und fängst gleichzeitig an, dich zu erklären. Es tut mir leid, ich muss leider die Preise anpassen. Das ist ein sprachliches Signal, das sagt: Ich bin unsicher, ob das berechtigt ist. Auftraggeber spüren diese Unsicherheit. Und sie reagieren darauf, indem sie genau die Fragen stellen, die du vermeiden wolltest.

Eine Entschuldigung vor einem Preis ist nie angemessen. Ein Preis ist eine sachliche Information. Er braucht keine Entschuldigung, genauso wenig wie eine Rechnung eine Entschuldigung braucht.

Fehler zwei: Die Überrechtfertigung.

Du erklärst die Erhöhung mit allem, was in den letzten Jahren passiert ist. Inflation, gestiegene Materialkosten, höhere Versicherungsprämien, gestiegene Lebenshaltungskosten. Das alles mag stimmen. Aber es macht den Preis nicht stärker. Es macht ihn reaktiv.

Ein Preis, der sich mit externen Faktoren begründet, signalisiert: Ich erhöhe nur, weil ich muss. Wer erhöht, weil er es verdient, braucht keine externen Faktoren als Rückendeckung.

Fehler drei: Das Nachgeben beim ersten Widerstand.

Der Auftraggeber zögert. Er sagt, das sei hoch. Er fragt, ob da noch etwas machbar sei. Und du gibst nach. Zehn Prozent weniger. Weil das Gespräch unangenehm wird.

Das ist der kostspieligste Fehler. Wer beim ersten Widerstand nachgibt, signalisiert: Mein Preis war verhandelbar. Das nächste Mal beginnt die Verhandlung früher. Der Preis wird zur Ausgangslage, nicht zur Aussage.

Standhaftigkeit beim Preis ist kein Zeichen von Sturheit. Es ist ein Zeichen von Klarheit über den eigenen Wert.

Fehler vier: Das zu lange Warten, dann der zu große Sprung.

Wer drei Jahre nicht erhöht und dann zwanzig Prozent auf einmal nimmt, erzeugt mehr Widerstand als nötig. Nicht weil die Erhöhung falsch ist. Sondern weil der Sprung größer wirkt als eine schrittweise Entwicklung.

Regelmäßige, kleinere Anpassungen, fünf bis acht Prozent pro Jahr, halten den Preis auf einem gesunden Niveau ohne dass es sich für den Auftraggeber wie ein Schock anfühlt. Wer das zur Gewohnheit macht, muss nie wieder einen unangenehmen Großsprung erklären.

Fehler fünf: Der falsche Kanal.

Eine Preiserhöhung per WhatsApp-Nachricht ist unprofessionell. Ein persönliches Gespräch für eine Anpassung von zehn Prozent ist übertrieben. Der Kanal sollte zur Tiefe der Geschäftsbeziehung passen.

Für Auftraggeber, mit denen du regelmäßig arbeitest: eine klare E-Mail mit ausreichend Vorlauf, vier bis sechs Wochen. Für Neukunden: der neue Preis gilt einfach, keine gesonderte Kommunikation nötig. Für langjährige, wichtige Auftraggeber: ein kurzes persönliches Gespräch vor der schriftlichen Bestätigung.

Was du tust, wenn ein Auftraggeber deinen Preis nicht akzeptiert

Ein Auftraggeber geht nicht mit. Er sagt, der Preis ist zu hoch. Er hat einen günstigeren Anbieter gefunden. Er versteht das nicht.

Was jetzt?

Erstens: Bleib ruhig.

Das ist eine geschäftliche Entscheidung, keine persönliche Ablehnung. Der Auftraggeber entscheidet, dass dieser Preis für ihn nicht stimmt. Das ist sein gutes Recht. Es sagt nichts über die Qualität deiner Arbeit.

Zweitens: Gib nicht nach.

Das ist der entscheidende Punkt. Ein Auftraggeber, der geht, weil der Preis gestiegen ist, und den du mit einem Rabatt zurückholst, lernt: Wenn ich Druck mache, kommt er runter. Das nächste Mal passiert dasselbe. Du hast aus einer einmaligen Situation ein dauerhaftes Muster gemacht.

Wer Preise erhöhen ernst nimmt, hält den Preis. Auch wenn es unangenehm ist. Auch wenn der Auftraggeber wichtig war.

Drittens: Trenne dich freundlich.

Bedanke dich für die bisherige Zusammenarbeit. Lass die Tür offen. Manche Auftraggeber kommen zurück, nachdem sie den günstigeren Anbieter erlebt haben. Dann kommen sie zu deinem Preis. Ohne Verhandlung.

Das ist keine Rache-Fantasie. Das ist eine Beobachtung, die viele Einzelunternehmer nach einer Preiserhöhung machen. Der Auftraggeber, der gegangen ist, weil er einen günstigeren Anbieter gefunden hat, merkt irgendwann, was er verloren hat. Wenn die Qualität nicht stimmt. Wenn die Kommunikation schlechter ist. Wenn das Ergebnis nicht das ist, was er gewohnt war.

Was hilft, um standhaft zu bleiben:

Die Grundlage ist Klarheit darüber, was passiert, wenn du nachgibst. Der Preis sinkt. Die Marge sinkt. Du hast mehr Arbeit für weniger Ertrag. Und du hast signalisiert, dass dein Preis verhandelbar ist.

Versus: Der Auftraggeber geht. Du verlierst diesen Umsatz. Aber du behältst die Zeit für einen Auftraggeber, der deinen Preis zahlt. Du behältst deine Preisstruktur intakt. Und du sendest ein Signal, das sich herumspricht: Dieser Anbieter kennt seinen Wert.

Wer seine Zahlen kennt, wer Rücklagen hat, wer weiß, dass sein Business einen Auftraggeber weniger trägt, der kann diese Entscheidung treffen. Wer das nicht weiß, ist gefangen.

Preise erhöhen für Neukunden: Warum das der einfachere Einstieg ist

Hier ist ein praktischer Einstieg, der viele Einzelunternehmer entsperrt.

Wer Angst vor dem Gespräch mit bestehenden Auftraggebern hat, fängt bei Neukunden an.

Neukunden kennen deinen alten Preis nicht. Es gibt kein Vorher, mit dem verglichen wird. Dein neuer Preis ist einfach dein Preis. Du nennst ihn, ohne zu erklären, dass er gestiegen ist. Weil er für diesen Auftraggeber nie anders war.

Das ist der einfachste Weg, um Preise erhöhen in der Praxis zu testen. Du siehst, was passiert. Du siehst, wer bei dem neuen Preis bleibt und wer abspringt. Du sammelst Erfahrung mit der Aussage, ohne die Dynamik einer bestehenden Beziehung zu riskieren.

Meistens passiert dabei folgendes: Ein Teil der Interessenten springt ab. Aber die, die bleiben, sind besser. Sie fragen weniger nach dem Preis. Sie vertrauen mehr. Sie haben höhere Erwartungen, die du erfüllen kannst.

Das ist die positive Selektion, die Preise erhöhen auslöst. Wer mehr verlangt, zieht andere Auftraggeber an. Das ist kein Marketing-Versprechen. Das ist die beobachtbare Konsequenz einer Preispositionierung.

Wenn du mit Neukunden Erfahrung gesammelt hast, wird das Gespräch mit bestehenden Auftraggebern leichter. Weil du weißt, dass der Preis hält. Weil du gesehen hast, dass Auftraggeber, die deinen Wert kennen, ihn zahlen.

Preise erhöhen als dauerhafte Praxis

Eine einmalige Preiserhöhung löst das Problem kurzfristig. Was du brauchst, ist eine Haltung, die Preisanpassungen zur normalen Praxis macht.

Die Realität der Inflation ist dabei ein sachliches Argument: Wenn du deine Preise in einem Jahr mit drei Prozent Inflation konstant hältst, hast du real eine Preissenkung vollzogen. Das Business trägt dasselbe, aber die Kosten sind gestiegen. Nach zwei oder drei Jahren ist die Lücke erheblich.

Wer Preise erhöhen zur jährlichen Routine macht, muss nie mehr einen großen Sprung erklären.

Einmal im Jahr anschauen: Stimmt mein Preis noch? Hat sich meine Kompetenz weiterentwickelt? Haben sich meine Kosten verändert? Trägt mein Business das, was ich brauche?

Wenn die Antwort auf eine dieser Fragen zeigt, dass eine Anpassung fällig ist, dann ist sie fällig. Kleine, regelmäßige Anpassungen von fünf bis acht Prozent pro Jahr sind professionell. Sie signalisieren, dass du ein Business führst, das sich entwickelt. Dass dein Preis nicht willkürlich ist, sondern an deiner Entwicklung hängt.

Der psychologische Effekt ist dabei erheblich. Ein Auftraggeber, der jedes Jahr eine kleine Anpassung erlebt, findet das normal. Ein Auftraggeber, der nach vier Jahren eine Erhöhung von dreißig Prozent sieht, findet das überraschend, auch wenn sie rechnerisch dasselbe ergibt.

Die Grundlage für diese Routine ist monatliche Klarheit über dein Business. Was bringt es ein? Was kostet es? Was bleibt? Wer diese Fragen jeden Monat beantworten kann, weiß auch, wann eine Preisanpassung ansteht. Nicht weil jemand anderes es sagt. Weil die eigenen Zahlen es zeigen.

Die einfachste Buchhaltung der Welt ist genau dafür gemacht. Du siehst monatlich deinen Gewinn. Du siehst, ob der Preis trägt. Du siehst, wann eine Anpassung fällig ist. Dreißig Minuten im Monat, und du hast die Grundlage für alle Preisentscheidungen des Jahres.

Die Haltung, die den Preis trägt

Hier ist die eigentliche Nachricht dieses Artikels.

Preise erhöhen ist kein Kommunikationsproblem. Es ist kein Timing-Problem. Es ist kein Frage-ob-der-Markt-das-hergibt-Problem.

Es ist ein Haltungsproblem.

Wer seinen Preis mit schlechtem Gewissen nennt, der hat ihn schon verloren, bevor der Auftraggeber geantwortet hat. Auftraggeber spüren Unsicherheit. Sie reagieren auf die Energie hinter dem Preis, nicht nur auf die Zahl.

Wer seinen Preis ruhig nennt, ohne Entschuldigung, ohne Zögern, ohne die implizite Einladung zur Diskussion, der setzt einen anderen Ton. Er signalisiert: Das ist mein Preis. Er ist es wert. Wenn das für dich stimmt, freue ich mich auf die Zusammenarbeit.

Diese Haltung entsteht nicht durch Rhetorik-Training. Sie entsteht durch zwei Dinge.

Erstens durch Klarheit über den eigenen Wert. Wer weiß, was er leistet, wer die Qualität seiner Arbeit kennt, wer die Reaktionen von Auftraggebern erlebt hat, die wirklich zufrieden waren, der hat eine innere Grundlage für seinen Preis. Die Zahl kommt nicht aus dem Nichts. Sie kommt aus der Erfahrung.

Zweitens durch finanzielle Klarheit. Wer weiß, was sein Business braucht, wer die Kalkulation gemacht hat, wer monatlich seinen Gewinn kennt, der hat einen sachlichen Grund für seinen Preis. Keine Entschuldigung. Keine Bitte um Verständnis. Einen sachlichen Grund.

Diese Kombination, Klarheit über den eigenen Wert und Klarheit über die eigenen Zahlen, ist das Fundament für souveräne Preisgestaltung.

Was sich verändert, wenn du aufhörst dich zu entschuldigen

Ich erinnere mich an das erste Gespräch, in dem ich meinen neuen Preis genannt habe, ohne sofort zu erklären, warum er gestiegen war.

Der Auftraggeber hat kurz geschwiegen. Dann gesagt: Okay, das ist mehr als ich erwartet hatte. Und dann, nach einer kurzen Pause: Wann können wir anfangen?

Kein Drama. Keine Verhandlung. Keine der Szenarien, die ich mir vorgestellt hatte.

Das ist die Erfahrung, die fast alle Selbstständigen machen, wenn sie Preise erhöhen zum ersten Mal konsequent durchziehen. Das Gespräch ist nie so schlimm wie die Vorstellung davon. Die Auftraggeber, die bleiben, bleiben. Die, die gehen, gehen. Und was übrig bleibt, ist besser als was vorher da war.

Das klingt nach einem Versprechen. Es ist eine Beobachtung aus meiner eigenen Geschichte und aus den Gesprächen, die ich seitdem geführt habe.

Der Preis, der sich entschuldigt, wird verhandelt. Der Preis, der steht, wird bezahlt.

Last but not least

Du weißt es schon eine Weile.

Der Preis stimmt nicht mehr. Das Wissen wird nicht verschwinden. Es wird jeden Monat teurer.

Der richtige Moment ist nicht nächsten Monat. Er ist nicht nach dem nächsten großen Auftrag. Er ist nicht wenn der Markt besser wird.

Er ist jetzt. Mit der nächsten Anfrage. Mit dem nächsten Gespräch, in dem du eine Zahl nennst, die deine Arbeit wirklich widerspiegelt.

Du nennst deinen Preis. Ohne Entschuldigung.

In meinem wöchentlichen DeepTalkLetter schreibe ich über genau diese Momente aus meiner eigenen Praxis. Die Entscheidungen, die sich im Rückblick einfach anfühlen und vorher fast unmöglich wirkten. 

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Wenn du beim Satz „zu teuer“ innerlich sofort kleiner wirst, lies diesen Artikel von Roman Kmenta. Er zeigt schonungslos, warum das Problem oft nicht dein Preis ist, sondern der Wert, den dein Gegenüber noch nicht klar genug sieht.


Häufige Fragen

Warum ist der richtige Moment für eine Preiserhöhung eine Falle?

Weil er nie kommt. Es gibt immer einen Grund zu warten wenn du warten willst. Jeder Monat mit zu niedrigem Preis ist ein Monat in dem du zu viel gegeben und zu wenig bekommen hast. Dazu wird die Erhöhung schwerer je länger du wartest, weil der alte Preis zur Gewohnheit wird. Der richtige Moment für Preise erhöhen ist heute. Das Wissen dass dein Preis nicht stimmt wird nicht verschwinden. Es wird nur teurer.

Was steckt wirklich hinter meinem Zögern beim Preise erhöhen?

Psychologie, kein schlechter Geschäftssinn. Loss Aversion sorgt dafür dass die Angst vor einem Verlust doppelt so stark wirkt wie die Freude über einen Gewinn. Eine abgelehnte Anfrage fühlt sich wie Verlust an auch wenn sie eine Weichenstellung in die richtige Richtung ist. Dazu kommt das Scarcity Mindset: wenn ich mehr verlange kommt vielleicht nichts mehr. Wer keine Rücklagen hat und seinen Gewinn nicht kennt, dem ist diese Angst real. Finanzielle Klarheit ist deshalb die Grundlage für Preissouveränität.

Wie kommuniziere ich meine Preiserhöhung an bestehende Auftraggeber?

Kurz, sachlich, ohne Rechtfertigung. Mein Preis liegt ab dem nächsten Auftrag bei X. Das ist alles. Keine Entschuldigung davor, keine Erklärung mit gestiegenen Materialkosten danach. Wer seinen Preis mit externen Faktoren begründet signalisiert: Ich erhöhe nur weil ich muss. Das ist eine schwache Position die zur Diskussion einlädt. Wer deinen Wert kennt akzeptiert eine sachlich kommunizierte Anpassung. Wer nur nach dem günstigsten Preis sucht, geht sowieso.

Was tue ich wenn ein Auftraggeber meinen neuen Preis nicht akzeptiert?

Ruhig bleiben und nicht nachgeben. Wer beim ersten Widerstand einen Rabatt gibt signalisiert: mein Preis war verhandelbar. Das nächste Mal beginnt die Verhandlung früher. Trenne dich freundlich und lass die Tür offen. Viele Auftraggeber kommen zurück nachdem sie den günstigeren Anbieter erlebt haben. Dann kommen sie zu deinem Preis ohne Verhandlung. Wer seine Zahlen kennt und Rücklagen hat kann diese Entscheidung treffen ohne Panik.

Ich traue mich nicht bestehenden Auftraggebern gegenüber. Wie fange ich an?

Fang bei Neukunden an. Sie kennen deinen alten Preis nicht. Es gibt kein Vorher mit dem verglichen wird. Dein neuer Preis ist einfach dein Preis. So sammelst du Erfahrung ohne die Dynamik einer bestehenden Beziehung zu riskieren. Meistens zeigt sich dabei: ein Teil der Interessenten springt ab aber die die bleiben sind besser. Sie fragen weniger nach dem Preis und vertrauen mehr. Diese Erfahrung macht das Gespräch mit bestehenden Auftraggebern danach deutlich leichter.

Wie oft und wie stark sollte ich meine Preise erhöhen?

Einmal im Jahr, fünf bis acht Prozent. Wer das zur Routine macht muss nie mehr einen großen Sprung erklären. Konstante Preise bei drei Prozent Inflation sind real eine jährliche Preissenkung. Nach zwei bis drei Jahren ist die Lücke erheblich. Ein Auftraggeber der jedes Jahr eine kleine Anpassung erlebt findet das normal. Einer der nach vier Jahren dreißig Prozent auf einmal sieht findet das überraschend, auch wenn beide rechnerisch dasselbe ergeben.

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