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Visionär sein: Was das wirklich bedeutet

Rifay hat sich bei mir als Berliner Lehrer vorgestellt, als er mich zu seinem Podcast eingeladen hat.

Das hat bei mir sofort etwas getroffen. Lehrer, Erziehung, wie wir als Gesellschaft unsere Kinder prägen, was wir vorleben und was wir ihnen damit mitgeben. Das sind Themen, die mich mindestens genauso bewegen wie alles, an was ich beruflich als Visionär arbeite. Vielleicht sogar mehr.

In meinem Artikel über [den Andersmomente Podcast mit Jan von Klee] habe ich geschrieben, dass der G8-Gipfel in Göteborg einer meiner wichtigsten Wendepunkte in meinem jungen Leben war. Der Abschied von einer Radikalität, die meinen Werten widersprach. Die Erkenntnis, dass die wirksamste Politik, die ich machen kann, zwei Formen hat: unternehmerisch tätig sein, und eine Familie gründen, die zeigt, wie das Leben auch aussehen kann.

Rifay hat mit seiner Vorstellung als Lehrer genau diesen Boden bereitet. Und das Gespräch, das daraus entstanden ist, hat sich schnell tief in die Frage hineinbewegt, was Visionär sein wirklich bedeutet. Was eine Vision ist. Wann du vom Pferd abspringen solltest. Und warum Erwartungen die Grundlage für Enttäuschungen sind.

Enhancer Journals / Episode mit Henry Konradt

Eine Vision muss nicht machbar sein

Eine Vision muss nicht machbar sein. Sie muss verrückt sein. Ausgefallen. Über den Tellerrand hinausschauend. Wenn sie von Anfang an machbar klingen würde, ist sie keine Vision, sondern nur ein mögliches Projekt.

Eine Vision ist der Motor. Sie bringt dich dazu, loszugehen. Auf dem Weg dahin machst du Machbarkeitsprüfungen. Du testest, ob es produzierbar ist. Ob es das schon gibt. Und aus Vision wird ein Wunsch, aus einem Wunsch wird ein Ziel. Aber der Anfang ist das Bild, das verrückt genug ist, um dich aus der Komfortzone zu ziehen. Und das ist eine Vision.

Eine Vision funktioniert genauso. Du brauchst kein vollständiges Bild. Alles andere entsteht unterwegs.

Was ich heute mit meiner Vision onoko.me entwickel, wäre vor fünf Jahren in dieser Form undenkbar gewesen. Jeder einzelne Schritt davor war nötig, damit diese Vision überhaupt zu mir kommt. Damals hat es sich manchmal wie Umweg angefühlt. Im Rückblick war es ein gerader Weg.

Vom toten Pferd abspringen: die unterschätzte Kompetenz

Es gehört zu einem Visionär, vom Pferd abzuspringen, bevor es tot ist.

Das ist vielleicht die Aussage aus diesem Gespräch, die am meisten hängen geblieben ist. Weil sie so direkt gegen das läuft, was wir über Durchhaltevermögen erzählt bekommen.

Das Missverständnis liegt im Wort Aufgeben. Wer abspringt, weil das Pferd tot ist, gibt auf. Wer abspringt, bevor es tot ist, entscheidet. Das ist ein fundamentaler Unterschied.

Ich erkenne, wenn etwas in meiner Möglichkeit liegt und wenn es das nicht tut. Jemand anderes könnte es machen, weil er ein anderes Netzwerk hat, andere Kernkompetenzen, andere Ressourcen. Wenn ich das erkenne, spring ich ab. Nicht aus Schwäche. Aus Klarheit.

Und nehme ich aus jedem Projekt und aus jeder Vision ein Learning mit, was mich in anderen Phasen meines Lebens weiter bringt . Das ist das Entscheidende. Der Weg gibt mir etwas mit, das ich anderswo einsetze. Vielleicht sofort, vielleicht erst in zwei Jahren. Aber kein Weg ist verloren.

Rifay hat das mit dem Beispiel seiner ausstehenden Hausarbeiten im Studium treffend zusammengefasst. Neun Hausarbeiten, die er vor sich hergeschoben hat. Semester für Semester. Bis er beschlossen hat, pragmatisch zu werden. Zwei Wochen pro Hausarbeit, alle in einem Semester, ohne groß zu fragen, ob die Professoren das annehmen. Er hat einfach angefangen.

Am Ende waren die Hausarbeiten erledigt. Und die Noten waren besser als erwartet.

Das ist das Prinzip. Du brauchst kein perfektes Konstrukt. Du brauchst einen klaren ersten Schritt. Dann den nächsten und immer so weiter bis dein Plan steht.

Erwartungen sind die Grundlage für Enttäuschungen.

Das habe ich Rifay schon im Vorgespräch mitgegeben und wir sind im Gespräch tief in diese Idee eingetaucht.

Ich unterscheide zwischen Erwartungen und Möglichkeiten. Wenn ich ins Auto steige und ein Ziel habe, erwarte ich heil anzukommen. Das ist legitim. Das System ist bekannt, ich habe Fahrerfahrung und die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Diese Erwartung kann ich haben.

Gegenüber dem Unerwarteten, das hinter einer Vision steckt, kann ich keine Erwartungen haben. Ich weiß gar nicht, was der nächste Schritt bringt. Also denke ich in Möglichkeiten. Ich habe die Möglichkeit, eine Vision zu denken. Ich habe die Möglichkeit, sie aufzuschreiben. Ich habe die Möglichkeit, sie runterzubrechen bis zum kleinsten Schritt.

Diese Energie, die aus einer offenen Möglichkeit entsteht, ist eine andere als die Energie, die aus einer Erwartung heraus entsteht. Eine Möglichkeit trägt. Eine Erwartung, die mich Schritt für Schritt enttäuscht , zermürbt.

Ich habe das mit meinem gestohlenen Werkzeug erlebt, von dem ich im Andersmomente Podcast erzählt habe. Ich hatte die Möglichkeit, es zurückzubekommen. Diese Möglichkeit hat mir die Energie gegeben, dranzubleiben. Die Erwartung hätte mich zwei Jahre in Enttäuschung geführt. So war ich einfach offen und zielstrebig. Zwei Jahre später stand das Werkzeug in einer Scheune bei Rostock.

Die vollständige Episode mit Rifay, hier anhören

Energiefresser aussortieren: rigoros und ohne Schuldgefühl

Ich filter extrem viele Leute aus. Rigoros. Das hat sich über die Jahre so entwickelt.

Es geht dabei um nichts Persönliches. Es geht um Energie. Es gibt Menschen, deren Aura allein schon Energie zieht. Die spreche ich gar nicht mehr an. Die, die ich kenne, sortiere ich raus. Weil es um mein Leben geht.

An Ratschlägen aus dem eigenen Umfeld scheitern mehr Ideen als es tatsächlich reale Marktrisiken gibt. Das Wort Ratschlag selbst ist ein Schlag. Ein ungebetener Gast, der atoc kommt.

Ich habe unterschiedlichste Sparringspartner. Einige, die mich jahrelang begleiten. Andere, die kurz mitlaufen und dann einen anderen Weg gehen. Beide können wertvoll sein. Entscheidend ist, in welchem Modus sie gerade sind. Explorieren sie die Idee mit mir? Oder bewerten sie sofort, ob sie funktionieren kann?

Beides hat seinen Platz. Aber wer grundsätzlich runter redet, ständig Bedenken formuliert, Energie zieht statt sie zu geben, den brauche ich in meinem Leben nicht.

Ich habe das früher anders gehandhabt. Ich war ein starker verbaler Choleriker. Habe mich geärgert, wenn Menschen sich für ihre eigene Sache einsetzen hätten können und es gelassen haben. Mit der Mediatorausbildung mit Mitte zwanzig und einer dreijährigen systemischen Therapie mit Mitte dreizig habe ich verstanden, dass es da eine andere Perspektive gibt. Dass Wut auf andere meistens etwas über mich aussagt.

Heute bin ich immer noch impulsiv und voller Energie. Aber ein bisschen sozial kompetenter. Und ich weiß schnell, wer meine Energie trägt und wer sie frisst.

Wer sich Sorgen macht, lebt in seinem Ego. Wer sich kümmert, verändert was.

Ich habe das Wort Sorgen aus meinem Wortschatz gestrichen und ersetzt durch Kümmern.

Das ist kein semantischer Trick. Das ist eine grundlegende Verschiebung und vor allem eine Haltung im Leben.

Sich zu sorgen ist passiv. Es beschreibt einen Zustand, in dem du nichts tust. Es ist ein Vorwand der Fphrsorge. Wenn jemand vor dir steht und sagt: „Henry, ich mache mir Sorgen um dich“, das ist Ablenkung. Vermeintliche Fürsorge, die das eigene Wohlgefühl spiegelt. 

Kümmern ist aktiv. Du übernimmst Verantwortung. Du triffst Entscheidungen. Kümmern führt zu Handlung.

Ich bin verantwortlich für jeden Augenblick, der mir in meinem Leben passiert. Das ist der Satz, mit dem ich lebe. Rifay hat ihn im Gespräch auf eine schöne Weise eingeordnet: Es ist eine funktionale Überzeichnung der Realität. Wenn dich ein Ziegelstein trifft, bist du nicht verantwortlich dafür. Aber so zu denken, erzeugt einen starken Fokus auf das, worauf du wirklich Einfluss hast.

Ich konzentriere meine Energie ausschließlich auf das, worauf ich Einfluss habe. Alles andere interessiert mich nicht. Das klingt nach einem Charakterzug. Es ist eine Entscheidung, die ich täglich neu treffe.

Profit First: warum jeder Euro eine Aufgabe braucht

Kurz vor dem Gespräch mit Rifay bin ich auf die Methode Profit First gestoßen.

Bemerkenswert dabei: Mein System für die einfachste Buchhaltung der Welt war zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig fertig. Und Profit First ist sehr ähnlich. Der Grundgedanke ist derselbe. Gewinn wird zuerst festgelegt. Ausgaben entstehen aus dem, was danach noch da ist.

Die klassische BWL-Formel läuft umgekehrt: Umsatz minus Ausgaben gleich Gewinn. Das Problem dabei: Wenn Gewinn hinten steht, bleibt er oft aus. Oder er wird klein, weil die Ausgaben vorher kommen.

Die richtige Frage ist: Was brauche ich an Profit? Daraus ergibt sich der nötige Umsatz. Nicht umgekehrt.

Jeder Euro braucht eine Aufgabe. Einer für die Umsatzsteuer. Einer für die Einkommensteuer. Einer für Rücklagen. Einer für dich persönlich. Erst wenn das System steht, ist das Geld, das du dir nimmst, wirklich deins.

Ich sage das als jemand, der über zwanzig Jahre selbstständig ist und dabei unzählige Umsätze bewegt hat. Ich habe jetzt das erste Mal in meinem Leben das Gefühl, wirklich Profit zu machen. Weil das System jetzt stimmt.

Das ist keine Buchhaltungstheorie. Das ist gelebte Praxis. Täglich getestet, an mir selbst.

Was Visionärsein mit Disziplin zu tun hat

Disziplinierter Punker. Das klingt wie ein Widerspruch.

Es ist keiner.

Disziplin bedeutet für mich, zu wissen, was am Ende rauskommt. Ich weiß, wenn ich etwas tue, wird es kein negatives Ergebnis geben. Negativ ist nur, wenn ich mich immer wieder entscheide, es nicht zu tun.

Ich liebe Yoga. Ich liebe meine körperlichen Aktivitäten. Ich liebe es zu sehen, was für eine Power daraus entsteht. Diese Power schafft Disziplin. Und Disziplin schafft mehr Power.

Beim Handwerk erlebe ich das fast täglich. Ich arbeite maximal zwanzig Stunden die Woche handwerklich. Davon manchmal zwei Tage am Stück, zwölf, dreizehn Stunden durch. Dann raucht der Kopf. Dann denke ich kurz: Ich habe keinen Bock mehr. Dann atme ich. Und sage mir: Stück für Stück. Kleine Happen. Immer weiter.

Nach fast jedem Job stehe ich da und denke: Wie geil ist das geworden? Dieser Weg dahin macht nicht immer Spaß. Das Ergebnis macht es.

Das gilt für jede Vision genauso. Du brichst das große Bild runter bis auf den kleinsten Schritt. Den Bleistiftstrich, den du auf dem Material machen musst. Den einen nächsten Satz, den du schreibst. Den einen Beleg, den du heute digital ablegst.

Schritt für Schritt. Das ist kein Motivationsspruch. Das ist Handwerk und Diziplin

Das Gespräch mit Rifay hat das zusammengefasst, was mich in dieser Phase meines Lebens täglich begleitet. Die Frage, was eine Vision wirklich ist. Was sie mich kostet. Und was sie mir gibt, bevor sie überhaupt Realität wird.

Enhancer Journals, die vollständige Episode mit mir

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