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Wann hast du zuletzt wirklich gewusst ob du profitabel bist und wie viel du in diesem Monat verdient hast? 

Nicht ungefähr. Nicht was auf dem Konto stand. Wirklich gewusst. Einnahmen minus Ausgaben minus Steuern minus Rücklagen. Was übrig bleibt. Was dir gehört.

Viele Einzelunternehmer können diese Frage nicht beantworten. Nicht weil sie schlechte Unternehmer wären. Sondern weil sie mit dem falschen Ziel gestartet sind.

Das Ziel hieß Umsatz. Das richtige Ziel heißt Gewinn.

Und der Unterschied zwischen diesen beiden Zielen ist der Unterschied zwischen einem Business, das dich trägt, und einem, das dich beschäftigt hält.

Warum die meisten Einzelunternehmer mit dem falschen Ziel starten

Der erste Reflex bei der Selbstständigkeit ist Umsatz. Verständlich. Das wird überall erzählt um profitabel zu sein. Du brauchst Auftraggeber. Du brauchst Aufträge.

Was dabei oft fehlt: die Frage, wie viel von diesem Umsatz am Ende als Gewinn bei dir ankommt. Und was du tun musst, damit dieser Gewinn tatsächlich entsteht und nicht still wieder verschwindet.

Irgendwo zwischen der Gewerbeanmeldung, dem ersten Auftraggeber und dem Moment, in dem du die erste eigene Rechnung schreibst, passiert etwas, das die meisten Einzelunternehmer erst Jahre später verstehen. Der Start legt fest, wie du dein Business denkst. Und dieser Gedanke hält sich hartnäckig, viel länger als er sollte.

Wer mit dem Ziel Umsatz startet, baut ein Business, das auf Umsatz optimiert ist. Er nimmt Aufträge an, weil sie Umsatz bringen. Er kalkuliert Preise so, dass Aufträge reinkommen. Er schaut aufs Konto und denkt, wenn da genug ist, läuft es und ich bin profitabel.

Das Problem dabei: Umsatz ist nicht Gewinn. Und ein Business, das viel Umsatz macht und wenig Gewinn, ist kein Business. Es ist ein Beschäftigungsmodell.

Ich habe das selbst über zwanzig Jahre lang falsch gemacht. Gute Aufträge, ordentliche Rechnungen, und trotzdem am Ende eines langen Jahres das Gefühl, nicht wirklich profitabel gewirtschaftet zu haben. Die Zahlen sahen okay aus. Das Konto war nicht leer. Aber wirklich vorankommen? Rücklagen bilden? Investieren? Das passierte kaum.

Die Insolvenz hat mir gezeigt, was fehlte. Kein Gewinndenken von Anfang an. Das Business war auf Umsatz ausgerichtet, auf Auslastung, auf möglichst viele Aufträge. Gewinn war das, was am Ende übrig blieb, wenn alles bezahlt war. In vielen Jahren blieb wenig übrig.

Wer das von Tag eins richtig macht, spart sich diesen Umweg.

Umsatz und Gewinn: Was der Unterschied wirklich bedeutet

Diese beiden Begriffe werden falsch priorisiert. Im Alltag, in Gesprächen, im eigenen Kopf.

Umsatz ist, was du in Rechnung stellst. Was der Auftraggeber bezahlt. Was auf dem Konto landet.

Gewinn ist, was übrig bleibt. Nach allen Ausgaben, nach allen Steuern, nach allen Rücklagen, nach allem, was das Business braucht und was der Staat will.

Die Differenz zwischen diesen beiden Zahlen ist der blinde Fleck der meisten Einzelunternehmer.

Ein konkretes Beispiel: Du stellst im Jahr hundert Tausend Euro in Rechnung. Klingt gut. Davon gehen ab: Betriebsausgaben für Material, Werkzeug, Software, Versicherungen. Umsatzsteuer, die du eingenommen, aber dem Finanzamt schuldest. Einkommensteuer auf den Gewinn. Rücklagen für Ausfälle, für Investitionen, für Krankheit. Was übrig bleibt, ist dein tatsächliches Einkommen.

Diese Zahl kann sehr viel kleiner sein als fünfzig Tausend. Bei Einzelunternehmern, die keine klare Gewinnplanung machen, ist sie es oft.

Das ändert sich grundlegend, wenn du mit einer anderen Frage startest. Statt zu fragen, wie viel Umsatz du machen musst, fragst du: Wie viel Gewinn will ich haben? Und dann baust du rückwärts und wirst profitabel.

Das ist eine vollständig andere Denkrichtung. Sie verändert, wie du deinen Stundensatz kalkulierst. Sie verändert, welche Ausgaben du tätigst und welche nicht. Sie verändert, wie du über Aufträge entscheidest.

Und sie ist der erste Schritt zu einem Business, das von Tag eins profitabel denkt.

Die Formel, die alles verändert

Die klassische Formel, die im Kopf fast aller Selbstständigen steckt, lautet: Umsatz minus Ausgaben gleich Gewinn.

Sie ist mathematisch korrekt. Als Führungsprinzip ist sie problematisch.

Wer Gewinn als Rest denkt, als das, was nach allem anderen übrig bleibt, überlässt den Gewinn dem Zufall. Er wird nicht geplant. Er entsteht, wenn es gut läuft. Er fehlt, wenn es schlechter läuft.

Die Gegenbewegung dazu hat Mike Michalowicz in seinem Buch Profit First beschrieben. Er dreht die Formel um: Umsatz minus Gewinn gleich Ausgaben. Du entscheidest zuerst, wie viel Gewinn du haben willst. Dann berechnest du, welche Ausgaben dafür noch Raum haben. Dann weißt du, welchen Umsatz du machen musst.

Gewinn ist das Ziel. Umsatz ist das Mittel. Ausgaben sind die Variable, die sich diesem Ziel unterordnet.

Das klingt nach einer kleinen Verschiebung. Es ist eine fundamentale Verschiebung im Denken.

Wer Gewinn zuerst denkt, fragt bei jeder Ausgabe: Brauche ich das wirklich? Trägt das zum Gewinn bei? Wer Gewinn zuletzt denkt, fragt das nicht. Er gibt aus, was sich ergibt, und hofft, dass am Ende noch etwas übrig bleibt.

Der konkrete Umgang mit dieser Formel ist einfach. Wenn Geld reinkommt, geht ein fester Prozentsatz sofort auf ein separates Konto. Das ist der Gewinnanteil. Er wird nicht angefasst. Er ist nicht für Ausgaben verfügbar. Er ist das, was du dir durch das unternehmerische Risiko verdient hast.

Was nach diesem Abzug übrig bleibt, ist das Budget für alle anderen Zwecke: Betriebsausgaben, Inhabergehalt, Steuern. Das Parkinson’sche Gesetz arbeitet für dich: Das Geld, das du siehst, gibst du aus. Indem du den Gewinn zuerst herausnimmst, verringerst du das sichtbare Budget automatisch und zwingst das Business zur Effizienz.

Was ein profitables Setup von Tag eins braucht

Profitabel von Tag eins bedeutet nicht, dass du sofort hohe Gewinne machst. Es bedeutet, dass dein Denken und dein System von Anfang an auf Gewinn ausgerichtet sind.

Dafür braucht es vier Bausteine, die zusammenarbeiten.

Einen Stundensatz, der trägt.

Der häufigste Fehler beim Start: zu niedrig kalkulieren, weil du Auftraggeber gewinnen willst. Die Logik klingt verständlich. Sie führt in eine Falle.

Ein Stundensatz, der unter deinen tatsächlichen Kosten liegt, macht dich günstiger und ärmer gleichzeitig. Jeder Auftrag zu diesem Preis kostet dich mehr, als er einbringt, auch wenn du das nicht siehst. Du siehst Umsatz. Du siehst Arbeit. Du siehst ein Konto, das sich füllt. Aber unter dem Strich ist der Gewinn minimal oder negativ.

Dein Stundensatz muss deine Ausgaben decken, Steuern einplanen, Rücklagen ermöglichen und einen echten Gewinn erzeugen. Alles darunter ist kein Angebot. Es ist Selbstausbeutung mit Rechnungsnummer.

Eine saubere Trennung zwischen Geschäftskonto und Privatkonto.

Von Tag eins an. Alle betrieblichen Einnahmen und Ausgaben laufen über das Geschäftskonto. Private Entnahmen sind bewusste Buchungen. Diese Trennung macht deine Buchhaltung sauber, dein Bild der eigenen Zahlen klar und deinen Jahresabschluss deutlich einfacher.

Wer Privates und Geschäftliches vermischt, verliert den Überblick. Nicht sofort. Aber nach sechs Monaten ist das Chaos da, und das Aufräumen dauert länger als das Aufbauen hätte.

Eine monatliche Einnahmen-Überschuss-Rechnung.

Nicht am Jahresende. Jeden Monat. Dreißig Minuten, vollständiges Bild. Was kam rein, was ging raus, was blieb.

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung, kurz EÜR, ist für die meisten Einzelunternehmer die richtige Methode der Gewinnermittlung. Sie ist einfach aufgebaut: Einnahmen minus Ausgaben gleich Gewinn. Keine doppelte Buchführung, keine komplexen Kontensysteme, keine Bilanzierung. Solange der Jahresgewinn unter achtzigtausend Euro und der Jahresumsatz unter achthunderttausend Euro liegt, ist die EÜR zulässig und ausreichend.

Wer diese Rechnung monatlich macht, hat monatlich die Zahlen, die er für Entscheidungen braucht. Wer sie einmal im Jahr macht, hat einmal im Jahr eine Überraschung. Manchmal eine angenehme. Öfter eine unangenehme.

Ein Steuerkonto.

Sobald Geld reinkommt, geht ein fester Prozentsatz auf das Steuerkonto. Umsatzsteuer sofort, Einkommensteuerrücklage monatlich. Dieses Geld wird nicht für etwas anderes verwendet. Es wartet auf das Finanzamt.

Das klingt selbstverständlich. Es ist für viele Einzelunternehmer die Schwachstelle, die zu Nachzahlungen, zu Liquiditätsengpässen und zu dem unangenehmen Gefühl führt, dass das Konto immer kleiner wird, obwohl man doch arbeitet.

Stundensatz: Der teuerste Fehler beim Start

Hier lohnt es sich, tiefer zu gehen. Weil der Stundensatz beim Start fast systematisch falsch kalkuliert wird.

Das häufigste Muster: Du schaust, was andere in deiner Branche nehmen. Du setzt dich ein bisschen darunter, weil du noch neu bist und Auftraggeber gewinnen willst. Du denkst, das ist vorübergehend und du erhöhst später.

Dieser Plan geht selten auf. Weil er eine Gewohnheit erzeugt. Die Gewohnheit, günstig zu sein. Und aus dieser Gewohnheit kommen die Auftraggeber, die günstig wollen. Mit denen entwickelst du ein Preisbild, das schwer zu korrigieren ist und dich nie profitabel werden lässt.

Ein tragender Stundensatz berechnet sich aus echten Zahlen, nach oben.

Zuerst: Was kostet dein Leben? Miete, Lebenshaltung, Krankenversicherung, Altersvorsorge. Das ist dein Privatbedarf. Das muss das Business tragen, nach Steuern, nach Rücklagen.

Dann: Was kostet das Business? Werkzeug, Material, Software, Versicherungen, Weiterbildung, Fahrtkosten. Das sind die Betriebsausgaben, die aus dem Umsatz gedeckt sein müssen, bevor ein Euro Gewinn entsteht.

Dann: Wie viele Stunden bist du tatsächlich verfügbar und kannst sie abrechnen? Nicht wie viele Stunden du arbeitest. Wie viele davon kannst du dem Auftraggeber in Rechnung stellen? Verwaltung, Akquise, Buchhaltung, Fahrtzeiten, alles, was anfällt und nicht abgerechnet wird, frisst Zeit. In vielen Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben sind fünfzehn bis zwanzig Prozent der Arbeitszeit fakturierbar geringer als die Gesamtarbeitszeit.

Dann: Steuern einrechnen. Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Umsatzsteuer. Wer das vergisst, rechnet mit einer falschen Zahl.

Das Ergebnis dieser Rechnung ist dein Mindeststundensatz. Was du brauchst, damit das Business sich selbst trägt und dir ein angemessenes Einkommen ermöglicht.

Und dann kommt der Gewinnaufschlag. Das, was dich profitabel werden lässt, Rücklagen bildet, Investitionen ermöglicht.

Ich habe nach meiner Neupositionierung meinen Stundensatz auf achtzig bis fünfundachtzig Euro netto angehoben. Zusätzlich habe ich alle kostenlosen Dienstleistungsbestandteile gestrichen bzw. ich lasse mir jede Besichtigung, jede Planung jedes Gespräch mit bezahlen. Und das ist tatsächlich der grössere Hebel. Denn die Zeit die ich für Kunden kostenlos aufgebracht habe war nicht zu unterschätzen. Das ist für Berlin, gerade im Handwerk, schon hoch und ungewöhnlich. Die Reaktion der Auftraggeber hat mich überrascht. Wer für Qualität und Verlässlichkeit zahlungsbereit ist, verhandelt diesen Preis kaum. Wer ihn nicht zahlen will, ist nicht der Auftraggeber, den ich haben will.

Der Stundensatz ist immer auch eine Positionierungsentscheidung.

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung als monatliches Führungsinstrument

Die EÜR wird oft als Pflichtübung behandelt. Als etwas, das am Jahresende für den Steuerberater erledigt werden muss.

Das ist die falsche Perspektive.

Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist das direkteste Führungsinstrument, das ein Einzelunternehmer hat. Sie zeigt auf einem einzigen Blatt, was das Business in einem Monat wirklich gemacht hat. Einnahmen. Ausgaben. Gewinn.

Wer diese Rechnung monatlich führt, sieht Muster. Er sieht, welche Ausgabenkategorien wachsen. Er sieht, ob der Monat schwächer war als der Vormonat, und kann fragen warum. Er sieht, ob der Gewinn in einer Höhe liegt, die Rücklagen erlaubt und den Schritt profitabel zu sein ermöglicht.

Diese Muster sind die Grundlage für bessere Entscheidungen. Wer monatlich schaut, entscheidet aus Kenntnis. Wer einmal im Jahr schaut, entscheidet aus Hoffnung.

Die technische Umsetzung braucht keine komplizierte Software. Eine gut eingerichtete Google-Tabelle mit klaren Kategorien für Einnahmen und Ausgaben reicht für die meisten Einzelunternehmer vollständig aus. Die Kategorien sollten dabei so gewählt sein, dass sie echte Führungsinformationen liefern: nicht eine Kategorie für alle Ausgaben, sondern getrennte Zeilen für Material, Versicherungen, Software, Werkzeug, Fahrtkosten.

Ich habe zum ersten Mal in meinem Unternehmensleben wirklich bewussten Gewinn gemacht, als ich angefangen habe, meine EÜR monatlich zu führen. Als ich nicht mehr auf das Konto geschaut und gehofft habe. Als ich gewusst habe, was eingenommen wurde, was ausgegeben wurde und was übrig blieb.

Das war die Grundlage für alle anderen Entscheidungen danach. Welchen Stundensatz ich ansetze. Welche Aufträge ich annehme. Wann ich investiere und wann ich spare.

Die einfachste Buchhaltung der Welt ist genau dafür gebaut. Eine Google-Tabelle mit einem Add-on, das die EÜR automatisch aus deinen Einträgen erzeugt. Du trägst ein. Das System rechnet. Du siehst deinen Gewinn. Keine Abo-Software, keine Abhängigkeit von Tools, die du zu achtzig Prozent nicht brauchst. Ein System, das du verstehst und selbst steuerst.

Steuerrücklagen: Warum sie keine Disziplinfrage sind

Viele Einzelunternehmer behandeln Steuerrücklagen als Zeichen von Disziplin. Wer diszipliniert genug ist, legt monatlich etwas zurück. Wer es nicht schafft, ist eben weniger diszipliniert.

Das ist der falsche Rahmen.

Steuerrücklagen sind kein Disziplinproblem. Sie sind ein Systemproblem. Wer das System richtig einrichtet, bildet Rücklagen automatisch, ohne Disziplin, ohne Willensanstrengung.

Das Prinzip: Sobald Geld auf dem Geschäftskonto landet, geht ein fester Prozentsatz sofort auf ein separates Steuerkonto. Dieser Prozentsatz umfasst die eingenommene Umsatzsteuer und eine Rücklage für die Einkommensteuer. Das Steuerkonto wird für nichts anderes verwendet.

Welcher Prozentsatz richtig ist, hängt von der individuellen Situation ab. Als grobe Orientierung empfehle ich, die Umsatzsteuer sofort vollständig zurückzulegen, weil sie dem Finanzamt gehört und nicht dir. Für die Einkommensteuer empfehle ich fünfzehn bis fünfundzwanzig Prozent des Nettogewinns, je nach Steuersatz und Situation.

Im Zweifel lohnt ein kurzes Gespräch mit dem Steuerberater, um den richtigen Prozentsatz für die individuelle Situation zu ermitteln. Das Prinzip dahinter kannst du schon heute umsetzen.

Was dieses System bewirkt: Die Steuernachzahlung kommt als keine Überraschung mehr. Das Geld ist da. Das Konto ist nicht leer. Der Brief vom Finanzamt verliert seinen Schrecken.

Das ist Ruhe, die aus System entsteht. Keine Disziplin. Kein Willensakt. Ein eingerichteter Automatismus.

Das Geschäftskonto und die Trennung, die alles vereinfacht

Die Trennung von Geschäftskonto und Privatkonto wird oft als Formalität behandelt. Sie ist eines der wichtigsten praktischen Instrumente beim Start.

Wer alles über ein Konto laufen lässt, verliert schnell den Überblick. Private Ausgaben vermischen sich mit betrieblichen. Was war eine Betriebsausgabe, was privat? Im laufenden Betrieb ist das unklar. Am Jahresende ist es ein Chaos, das aufgeräumt werden muss.

Mit einem klaren Geschäftskonto läuft alles Betriebliche über eine Stelle. Private Entnahmen sind bewusste Buchungen: Du überweist dir ein Inhabergehalt vom Geschäfts- auf das Privatkonto. Das ist eine Buchung. Transparent, nachvollziehbar, sauber.

Diese Trennung spart Zeit bei der Buchhaltung. Sie macht die EÜR einfacher. Sie gibt dir ein klares Bild, was das Business einbringt, unabhängig von dem, was du privat ausgibst.

Für das Steuerkonto empfehle ich ein weiteres separates Konto, idealerweise bei einer anderen Bank. Aus den Augen, aus dem Sinn. Das Geld, das du nicht siehst, gibst du nicht aus. Und das Geld auf dem Steuerkonto gehört dir nicht. Es gehört dem Finanzamt. Je weniger zugänglich es ist, desto besser.

Gewinn vor Ausgaben: Was die Profit-First-Methode lehrt

Die Profit-First-Methode von Mike Michalowicz geht über den Gedanken, Gewinn zu planen, hinaus. Sie macht Gewinn zu einer automatischen Handlung.

Das konkrete System funktioniert mit mehreren Konten. Ein Einnahmekonto, auf dem alles eingeht. Von dort wird regelmäßig verteilt: ein fester Prozentsatz auf das Gewinnkonto, ein fester Prozentsatz auf das Inhabergehaltkonto, ein fester Prozentsatz auf das Steuerkonto, der Rest für Betriebsausgaben.

Der Gewinnprozentsatz kann beim Start klein sein. Fünf Prozent sind besser als null. Drei Prozent sind besser als nichts. Der Gedanke ist nicht, sofort hohe Gewinne auszuschütten. Der Gedanke ist, Gewinn als Kategorie zu etablieren, die jeden Monat bedient wird.

Was das Parkinson’sche Gesetz hier bedeutet: Der Bedarf dehnt sich aus, bis das verfügbare Budget erschöpft ist. Wenn du zweitausend Euro für Betriebsausgaben hast, wirst du zweitausend Euro ausgeben. Wenn du zwölfhundert Euro für Betriebsausgaben hast, wirst du zwölfhundert Euro ausgeben. Das Budget erzieht das Business. Nicht umgekehrt.

Indem du den Gewinn und die Steuer zuerst abziehst, verkleinerst du das Budget für Ausgaben automatisch. Das Business wird effizienter, weil es effizienter sein muss.

Für Einzelunternehmer, die gerade starten, ist das System besonders wertvoll. Weil der Start der beste Zeitpunkt ist, richtige Gewohnheiten einzurichten. Eine Gewohnheit, die einmal sitzt, läuft fast von selbst. Eine falsche Gewohnheit, die sich jahrelang gehalten hat, ist schwerer zu korrigieren.

Die ersten sechs Monate: Was du aufbauen solltest

Die ersten Monate der Selbstständigkeit lehren mehr als jedes Buch.

Du lernst, wie lange Aufträge wirklich dauern. Du lernst, welche Ausgaben entstehen, die du vorher nicht eingeplant hast. Du lernst, wie unregelmäßig Zahlungseingänge sein können. Du lernst, wie viel Energie für Verwaltung, Akquise und alles außerhalb der eigentlichen Arbeit draufgeht.

Diese Erfahrungen sind wertvoll. Sie sind noch wertvoller, wenn du sie in Zahlen siehst.

Wer von Monat eins an seine EÜR führt, hat nach drei Monaten erste Muster. Er sieht, welche Monate stark sind und welche schwach. Er sieht, welche Ausgabenkategorien wachsen. Er sieht, ob der Stundensatz trägt.

Nach sechs Monaten kann er sein Jahr hochrechnen. Er weiß, ob er auf Kurs ist. Er weiß, ob die Steuerrücklage reicht. Er weiß, ob er investieren kann.

Das ist unternehmerische Reife. Und sie entsteht schneller, wenn du früh anfängst, deine Zahlen zu kennen.

Ein konkreter Aufbauplan für die ersten sechs Monate:

Monat eins: Geschäftskonto und Steuerkonto eröffnen. EÜR einrichten. Erste Einnahmen und Ausgaben eintragen.

Monat zwei und drei: Erste Muster erkennen. Stundensatz prüfen. Stimmt er mit den Zahlen überein?

Monat vier und fünf: Erste Hochrechnung aufs Jahr. Steuerrücklage prüfen. Gewinnplanung für die zweite Jahreshälfte.

Monat sechs: Erste vollständige Halbjahreszahlen. Entscheidungen für die zweite Jahreshälfte aus Zahlen treffen, aus Kenntnis.

Das dauert pro Monat dreißig Minuten. Die Klarheit, die es erzeugt, ist unbezahlbar.

Genau das schreibe ich regelmäßig in meinem wöchentlichen DeepTalkLetter auf. Wie sich das Denken verändert, wenn die Zahlen klar sind. Was möglich wird, wenn du weißt, was dein Business wirklich macht.

Früh starten, lange profitieren

Der beste Zeitpunkt, ein solides Buchhaltungssystem aufzubauen, war gestern. Der zweitbeste ist heute.

Das gilt für den Gründer im ersten Monat genauso wie für den Einzelunternehmer, der seit fünf Jahren selbstständig ist und noch immer einmal im Jahr einen Schuhkarton zum Steuerberater bringt.

Der Unterschied: Wer früh startet, hat von Anfang an klare Zahlen und baut auf dieser Grundlage. Wer später startet, muss erst aufräumen und dann aufbauen. Beides funktioniert. Eines davon ist deutlich angenehmer.

Was früh starten konkret bedeutet:

Im ersten Monat der Selbstständigkeit richtest du dein Geschäftskonto ein. Du baust deine EÜR auf, entweder in einer einfachen Tabelle oder mit einem Tool wie die einfachste Buchhaltung der Welt, das die EÜR automatisch aus deinen Einträgen erzeugt. Du legst fest, welchen Prozentsatz du monatlich als Steuerrücklage zurücklegst. Du entwickelst die Gewohnheit, Belege zeitnah zu erfassen.

Das dauert beim ersten Aufbau einen halben Tag. Danach dreißig Minuten im Monat.

Was du dafür bekommst: monatliche Klarheit über deinen Gewinn, eine Steuerrücklage, die wächst, einen Jahresabschluss, der keine Überraschung ist, und die Grundlage für Entscheidungen, die dein Business wirklich voranbringen.

Profitabel von Tag eins zu sein ist eine Entscheidung. Die Entscheidung, Gewinn als Ziel zu denken, als Kategorie, die du planst und schützt. Nicht als Rest, der übrig bleibt, wenn alles andere bezahlt ist.

Du kannst diese Entscheidung heute treffen. Mit dem nächsten Auftrag, der nächsten Rechnung, der nächsten Buchung.

Das Business, das du in drei Jahren hast, entsteht aus den Gewohnheiten, die du heute einrichtest.

Dir hat der Artikel gefallen? Dann ist mein Workshop “Souverän Selbstständig” auch was für dich. Schau einfach rein.

Schau hier, ich habe einen schönen Artikel von Tim Gelhausen über Profit First gefunden. Eine super Ergänzung zu diesem Artikel. Viel Spass beim lesen.


Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn und warum ist er so wichtig? 

Umsatz ist was du in Rechnung stellst. Gewinn ist was übrig bleibt nach allen Ausgaben, Steuern und Rücklagen. Diese Differenz ist der blinde Fleck der meisten Einzelunternehmer beim Start. Wer mit dem Ziel Umsatz startet, baut ein Business das auf Auslastung optimiert ist. Wer mit dem Ziel Gewinn startet, baut ein Business das ihn wirklich trägt.

Wie berechne ich meinen Stundensatz richtig? 

Von unten nach oben, nie vom Markt her. Dein Privatbedarf nach Steuern kommt zuerst, dann die Betriebsausgaben, dann die tatsächlich fakturierbaren Stunden, dann Steuern eingerechnet, dann der Gewinnaufschlag. Das Ergebnis ist dein Mindeststundensatz. Alles darunter ist Selbstausbeutung mit Rechnungsnummer, auch wenn das Konto sich kurzfristig füllt.

Muss ich als Einzelunternehmer eine komplizierte Buchhaltung machen? 

Nein. Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist für die meisten Einzelunternehmer die richtige Methode und funktioniert ohne doppelte Buchführung und ohne Bilanzierung. Einnahmen minus Ausgaben ergibt den Gewinn. Eine gut eingerichtete Tabelle mit klaren Kategorien reicht vollständig aus. Dreißig Minuten im Monat sind genug wenn das System einmal steht.

Ich vergesse immer Steuerrücklagen zu bilden. Wie löse ich das ohne mehr Disziplin aufzubringen?

Mit einem System statt mit Willenskraft. Sobald Geld auf dem Geschäftskonto landet geht ein fester Prozentsatz sofort auf ein separates Steuerkonto, idealerweise bei einer anderen Bank. Aus den Augen aus dem Sinn. Das Geld auf dem Steuerkonto gehört dem Finanzamt, nicht dir. Wer das System so einrichtet bildet Rücklagen automatisch ohne sich jeden Monat neu dazu zwingen zu müssen.

Brauche ich wirklich ein separates Geschäftskonto oder reicht mein privates Konto? 

Ein separates Geschäftskonto ist einer der wichtigsten praktischen Schritte beim Start. Wer alles über ein Konto laufen lässt verliert den Überblick. Private Ausgaben mischen sich mit betrieblichen. Am Jahresende entsteht Chaos das aufgeräumt werden muss. Mit einem klaren Geschäftskonto läuft alles Betriebliche über eine Stelle, die EÜR wird einfacher und du siehst monatlich was dein Business wirklich einbringt.

Wann ist der beste Zeitpunkt um mit ordentlicher Buchhaltung anzufangen? 

Im ersten Monat der Selbstständigkeit. Wer früh startet hat von Anfang an klare Zahlen und baut auf dieser Grundlage. Wer später startet muss erst aufräumen und dann aufbauen. Der Aufbau dauert beim ersten Mal einen halben Tag. Danach dreißig Minuten im Monat. Was du dafür bekommst ist monatliche Klarheit über deinen Gewinn, eine Steuerrücklage die wächst und einen Jahresabschluss der keine Überraschung ist.

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